Afghanistan jetzt auch weltgrößter Cannabis-Produzent
Kabul/Tokio (dpa) - Der weltgrößte Heroinproduzent Afghanistan ist inzwischen nach einem Bericht der Vereinten Nationen auch der wichtigste Lieferant der illegalen Droge Cannabis geworden. Experten schätzen den jährlichen Umsatz mit illegalen Drogen auf mehr als 250 Milliarden Euro weltweit.
Die im vergangenen Jahr rund 70 000 Hektar große Anbaufläche von Cannabis, aus dem Haschisch gewonnen wird, werde in diesem Jahr voraussichtlich weiter anwachsen, heißt es in dem am Mittwoch in Tokio vorgestellten Winterbericht des UN-Büros für Drogen und Kriminalität (UNODC) zu Afghanistan. Die Anbaufläche für Schlafmohn, aus dem Rohopium und dann Heroin produziert wird, werde 2008 ähnlich groß wie im Vorjahr sein oder knapp unter diesem Rekordwert liegen.
«Der Opiumanbau mag einen Spitzenwert erreicht haben, aber die Menge wird auch 2008 immer noch schockierend hoch sein», sagte UNODC-Chef Antonio Maria Costa. «Afghanistan wird zu einem geteilten Land, mit klaren Drogen- und Aufstands-Schlachtlinien», warnte Costa. Die wachsende Anzahl von opiumfreien Provinzen im Nordosten stehe in starkem Kontrast zu immer höheren Anbaumengen von Rohopium im Süden und Westen, den Hochburgen der Taliban. Im Nordosten, wo die Anbaufläche in den vergangenen Jahren drastisch abgenommen hat, ist die Bundeswehr eingesetzt. Ihr ist der Kampf gegen den Drogenanbau allerdings durch ihr Mandat ausdrücklich untersagt.
Im vergangenen Jahr produzierte Afghanistan mehr als 90 Prozent des weltweiten Rohopiums. Nach Einschätzung von UNODC dienen die Drogengelder den Taliban maßgeblich dazu, ihren Aufstand zu finanzieren. «Opium ist eine massive Einkommensquelle für die Taliban» und werde den Rebellen in diesem Jahr rund 100 Millionen US- Dollar in ihre Kriegskasse spülen, warnte Costa. Bauern würden von den Rebellen, aber auch von lokalen Kriegsherren oder korrupten Beamten, mit einer Art Steuer in Höhe von rund zehn Prozent ihres Einkommens aus dem Opiumanbau belastet.
«Afghanische Drogen, und die Gelder, die sie einbringen, sind eine destabilisierende Kraft», warnte Costa. Europa, Russland und die Länder entlang der afghanischen Heroinrouten sollten sich «gegen schwere Gesundheits- und Sicherheitsfolgen wappnen». Der UNODC-Chef rief Afghanistan und die verbündeten Länder eindringlich zum schnellen Handeln auf. «Während Analysten endlos darüber debattieren, wie bei Sicherheit, Entwicklung, dem Kampf gegen Drogen und guter Regierungsführung die Prioritäten gesetzt werden sollen, wird die afghanische Opiumsituation äußerst ernst und gefährlich», sagte Costa. «Und die Zeit ist nicht auf der richtigen Seite.»
Nach dem Weltdrogenbericht 2007 haben sich die Geschäfte mit Heroin, Kokain, Cannabis und Amphetaminen im letzten Jahr insgesamt nicht ausgeweitet. Etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung konsumieren illegale Drogen, ein Großteil davon Cannabis. Fast ein Prozent ist schwer drogensüchtig.
Quelle: www.ftd.de