Cannabis als Parodontoserisiko
Dunedin – Cannabis-Konsumenten fallen die Zähne früher aus. So plakativ lassen sich die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 525-531) zusammenfassen. Zahnmediziner aus Neuseeland führen dort mehr als ein Drittel aller schweren Parodontosen bei jungen Erwachsenen auf die Hanfdroge zurück.
Die Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study begleitet 1.037 Kinder der Jahrgänge 1972/73 in ihrer körperlichen und mentalen Wirkung. Ergebnisse der Studie hatten in den letzten Jahren bereits mehrfach auf die negativen Folgen des Cannabis-Konsums aufmerksam gemacht. So im Jahr 2002, als eine Assoziation zwischen häufigem Cannabiskonsum und Psychosen und Depressionen aufgezeigt wurde (BMJ 202; 325: 1212-1213).
Später wurde gezeigt, dass die Anfälligkeit vermutlich genetisch bedingt ist. Den Forschern fielen auch die negativen Auswirkungen des Cannabisrauchens auf die Lungenfunktion auf (Addiction 2002; 97: 1055-61), was nicht verwunderlich ist, da die schädigende Wirkung des inhalierten Rauches unabhängig davon ist, welches „Kraut“ geraucht wird. Und auch die jetzt gefundene Assoziation zu einer frühzeitigen Parodontose dürfte Zahnmediziner nicht überraschen, zählt Tabakrauchen doch zu den lange bekannten wesentlichen Ursachen für die Parodontose, die im Spätstadium zur Lockerung und zum Verlust (auch gesunder) Zähne führen kann.
So weit ist es bei den Teilnehmern der Dunedin Studie noch nicht gekommen. Von Unvollständigkeiten des Gebisses ist nicht die Rede. Doch bei der letzten Untersuchung (im Alter von 32 Jahren) hatten, wie Murray Thomson von der Otago Universität in Dunedin und Mitarbeiter berichten, immerhin 265 (knapp 30 Prozent) der jungen Erwachsenen Gingivaablösungen mit Sondierungstiefen von vier Millimeter an wenigstens einer Stelle. Bei 111 Teilnehmern waren die „Zahnfleischtaschen“ sogar bis zu fünf Millimeter tief, was eine fortgeschrittene Parodontose anzeigt.
Diese Kennzeichen einer mangelnden Zahnhygiene traten vor allem bei den Cannabiskonsumenten auf. Selbst nach Berücksichtigung des Tabakrauchens und anderer Risikofaktoren, hatten Cannabiskonsumenten noch ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko auf Sondierungstiefen von bis zu 4 mm. Die schwere Parodontose mit Sondierungstiefen von bis zu fünf Millimeter trat sogar 3,1-fach häufiger auf.
Nun ist der Cannabis-Konsum in Neuseeland keineswegs selten. Jeder zweite Studien-Teilnehmer konsumierte die Droge gelegentlich. Weitere 20 Prozent wurden als starke Konsumenten eingestuft. Dies bedeutet aber, dass der Cannabis-Konsum eine nicht unerhebliche Ursache für die Parodontose ist. Nach den Berechnungen (des “population attributable Risk”) von Thompson sind 22,6 Prozent aller leichteren und 36 Prozent der schwereren Parodontose-Fälle auf den Cannabiskonsum zurückzuführen.
Thompson glaubt übrigens nicht, dass die Schädigung der Gingiva vom Rauch der Joints ausgeht. Er vermutet, dass die Inhaltsstoffe des Rauches das Immunsystem schädigen und die Wundheilung im Bereich der Gingiva beeinträchtigen.
Quelle: © rme/aerzteblatt.de